Erst kürzlich wurde der Datenklau von rund 500 Millionen Kundendatensätzen beim amerikanischen Unternehmen Yahoo publik. Das Unternehmen ließ viele Fragen zu diesem Vorfall unbeantwortet. Wenige Wochen danach bahnt sich nun der nächste Skandal an.
Yahoo soll laut Medienberichten im Auftrag der amerikanischen Regierung das gesamte Yahoo-Netzwerk durchsucht und die Ergebnisse den Behörden bereitgestellt haben. Zunächst war bekannt geworden, dass der gesamte E-Mail-Verkehr der Nutzer gescannt wurde. Diese Informationen wurden von ehemaligen Mitarbeitern des Konzerns öffentlich gemacht. Yahoo soll durch eine Direktive der Behörden zu dem Handeln veranlasst worden sein. US-Datenschützer fordern die Veröffentlichung eben dieser Direktive, um zur Aufklärung des Sachverhaltes beizutragen.

Laut den US-Behörden beschränkte sich die Durchsuchung auf spezielle digitale Signaturen im Zusammenhang mit den Bemühungen zur Terrorismus-Abwehr. Weiter handele es sich nicht um eine Massendurchsuchung aller Nutzerdaten. Datenschützer sehen in dem vorgeworfenen Handeln von Yahoo in Zusammenarbeit mit den Behörden einen Verstoß gegen das „Fourth Amendment“ zur US-Verfassung. Ob eine Massendurchsuchung tatsächlich durchgeführt wurde, ist derzeit offen.
In Europa verfolgt man das Geschehen um Yahoo aufmerksam. Zuständig für datenschutzrechtliche Fragen im Zusammenhang mit dem amerikanischen Konzern, ist in der Europäischen Union die irische Datenschutzbehörde. Und zwar weil das Unternehmen seinen europäischen Hauptsitz in Dublin hat. Dort will man nun überprüfen, ob gegen europäisches Datenschutzrecht verstoßen wurde.

Fazit

Sollte sich der Verdacht erhärten, wäre Yahoo in den nächsten großen Skandal verwickelt. Es würde sich dabei um den größten bekanntgewordenen Fall von Datenkontrolle mit Zustimmung eines Internetunternehmens, veranlasst durch die Behörden, handeln. Der Druck auf die Geschäftsführung nimmt immer mehr zu. Auch der Deal zur Übernahme von Yahoo durch den Telekommunikationskonzern Verizon ist in Gefahr. Verizon soll zumindest nicht mehr bereit sein, den ursprünglich angedachten Preis von rund 4,8 Milliarden Dollar zu zahlen. Ob und wann mit Erkenntnissen in der Sache zu rechnen ist, ist völlig offen. Von den amerikanischen Behörden ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit keine weitere Aufklärung zu erwarten.

Janik Dörr