18.11.2014

 

Im Fußballstadion fiebern wir mit unserem Lieblingsverein bei jedem Spiel mit.
Wir feiern jedes Tor und jede Initiative der Spieler.
Während wir im Stadion stehen, spielen die Fußballteams um den Sieg.
Sie rufen sich Kommandos zu und besprechen auf dem Feld die nächste Taktik.
Wir Zuschauer hören die Weisungen in der Regel nicht, aber sind neugierig darauf, wie sie lauten.
Bei Liveübertragungen im Fernsehen haben Zuschauer die Möglichkeit, genau das zu erfahren.

Am 01.11.2014 entbrannte ein Streit, als der FC Bayern München gegen Borussia Dortmund spielte. Der Fernsehsender Sky beauftragte einen Lippenleser, der bei der Liveübertragung die Order übersetzen sollte. Dieser las in der 70. Minute an den Lippen des FC Bayern Trainers, Pep Guardiola, die Weisung „Mit Feuer auf Subotic“ ab.
Auch beim Gegner setzte der Lippenleser seine Fähigkeit ein und erzählte den Zuschauern von den Gesprächen zwischen Spielern und Trainer.
Die Spieler fühlten sich in ihrer Privatsphäre verletzt, denn selbst die Zuschauer im Stadion bekämen nichts von den Gesprächen und Kommandos mit.

Hinter dem Lippenlesen und Verlautbaren der Monologe liegt das juristische Problem.
Jeder darf selbst bestimmen, welche der von ihm selbst geführten Gespräche und welche seiner Worte an die Außenwelt gelangen und welche der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden oder gar aufgezeichnet werden.
Das Recht auf das eigene Wort ist im allgemeinen Persönlichkeitsrecht verankert und kann in Deutschland bei Verletzung sogar sanktioniert werden.

An diesem Punkt betrachten wir den Arbeitsvertrag eines deutschen Fußballspielers.
In diesem räumt er seinem Club umfassende Rechte zur kommerziellen Verwertung ein. Seine Worte oder auch von ihm gemachte Bilder darf der Club als auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) veröffentlichen. Die Befugnis zur Veröffentlichung ist nicht nur auf Fernsehen und Zeitung begrenzt, sondern auch auf das Internet ausgeweitet.
DFL und der Club können daher durchaus die Rechte der Fußballspieler vertreten und durchsetzen.

Fakt ist:
Während des Spiels gibt der Fußballspieler einen Teil seiner Privatsphäre in Bezug auf die Worte, die er mit seinem Trainier und mit seinen Mitspielern wechselt, auf.
Nicht selten fallen auch mal Beleidigungen und andere unsanfte Worte auf dem Rasen. Diese könnten durch das Lippenlesen enthüllt werden und Spieler als auch Clubs in Verlegenheit bringen. Es ist daher fraglich, inwieweit in Zukunft das Lippenlesen bei Liveübertragungen geduldet werden wird.

Monika Wystup