Copyright Foto: Band

Full Force Fast Forward – das ist die Thrash Metal Band Godslave. Die Flucht nach vorn ist ihre Reaktion auf die Alltagsnegativität, und zwar mit Vollgas! Ein Gespräch mit Bernie (Guitar), Thommy (Vokals), Manni (Lead Guitar) und Mika (Bass) über das neue Album „10/10“, zehn Jahre Bandgeschichte, was hinter dem Bandmaskottchen Horst steckt und die Kletterkünste von Metallern.

(Interview by Lina)

GEMS&Roll: Ihr schreibt auf eurer Website: “We make a clear statement: a stretched middle finger against the daily madness!” Was wollt ihr uns damit sagen?

Manni: Dass man generell heute von viel Negativität umgeben ist, sei es in Social Media, sei es in den Nachrichten oder sonst wo. Das kann man sich den ganzen Tag geben, aber dann zieht es einen halt runter. Oder man kann sagen, okay, jetzt ist meine Zeit und man nimmt sich die dreiviertel Stunde, die man das Album hört und schaltet das mal aus.

GnR: Und aus dieser Idee heraus ist Godslave entstanden?

Bernie: Das hat sich eher so entwickelt. Das was wir mit Godslave tun, ist immer eine Reflexion von den Persönlichkeiten hinter Godslave. Alles, was wir nach außen tragen, kommt aus unseren fünf Personen heraus. Wir haben keinen Bock mehr auf die Negativität, und deshalb ist das Message von Godslave geworden. Musik ist eine extrem persönliche individuelle Sache, dementsprechend spiegelt sich das auch in unseren Texten wider.

GnR: Entstand auch der Name der Band aus dieser Idee?

Manni: Der Name ging aus dem Namen der Vorgängerband „Slavery“ hervor. Heute interpretieren wir ihn so, dass man sich für einen Gott versklavt. Gott meint aber nicht zwangsläufig Religion, dass kann auch der Chef sein, für den man sich krumm macht oder alles, von was man sich unterdrücken lässt.

Bernie: Das kann auch die Negativität sein, an der man sich im Leben orientiert. Viele Leute leben davon, dass sie sich von morgens bis abends beschweren, das ist ihre Führung im Leben und dann nichts anderes als eine Gottheit. Wir wollen damit ausdrücken, dass der Mensch eine gewisse Art von eine Führung braucht und sich die sucht. Sei es in der Religion oder im Ausleben von Negativität in dem man sagt, alle sind böse und ich bin der einzige, der alles richtig macht. Danach kann man sein Leben wunderbar ausrichten. Wenn man das so bespricht, sind wir mit dem, was wir uns vor 11 Jahren ausgedacht haben, ziemlich volltreffermäßig in unserer aktuellen Message drin, das hat ganz gut geklappt.

GnR: Auf jedem Album taucht euer “Godslave-Maskottchen“ auf. Wenn man sich die Cover so anschaut, scheint es, als durchlebte es eine Veränderung oder Befreiung – war das geplant oder spiegelt das vielleicht auch eure Entwicklung als Band wider?

Bernie: Das ist Horst! Und Horst entwickelt sich, das war auch beabsichtigt. Jedes Album, was raus kommt, spiegelt den Werdegang der Band wider, und das findet sich auch im Cover wieder. Von anfänglichen Schwierigkeiten in „Bound by Chains“ über „Out of the Ashes“ haben wir uns neu erfunden und sind aus der Asche emporgestiegen. Bei „Into the Black“ hatten wir massive gesundheitliche Probleme, deshalb zieht uns da eine schwarze Materie nach unten, wo wir dann in „In Hell“ angekommen waren. Und in „Welcome to the Green Zone“ haben wir uns in unserer Welt gefunden. Für „Reborn Again“ gabs eine Umstrukturierung in der Band, und die Message des Albums ist, dass jeder regelmäßig einen Tod stirbt, aus dem man sich wieder hochkämpfen muss. Das macht man mehrmals und man wird immer wieder neu-neugeboren. Das sieht man auch bei Horst, der war noch nie stärker. Und warte mal ab, wie der auf dem neuen Cover aussehen wird!

GnR: Hattet ihr diese Entwicklung dann auch schon von Anfang an so geplant?

Manni: So genau war das nicht geplant. Das Thommys Stimme sich so verändert, dass sie Death Metal Grolls nicht mehr mitmacht und man dann auf Vocal Style umsteigt, damit kann man nicht rechnen.

Thommy: Das war ja so, dass ich eine Stimmbandentzündung hatte. Ich arbeite in einem Beruf, in dem man viel reden muss. Der Studiotermin für „Into the Black“ stand schon lange fest und das wusste auch mein Arbeitgeber. Da konnte ich dann nicht ewig krank sein und dann in den Urlaub gehen und ein Album aufnehmen. Also bin ich arbeiten gegangen und habs nicht auskuriert. An einem guten Tag konnte ich dann einen halben Song einsingen. Dann sind wir noch auf Tour gegangen, zwei Monate lang jedes Wochenende, und dann wars vorbei mit dem Grollen.

Bernie: So genau war diese Entwicklung also nicht geplant, aber so ist es jetzt und wir sind damit zufrieden.

GnR: Habt ihr Pläne, wohin ihr Euch entwickeln wollt? Einen Wunsch oder ein bestimmtes Thema, dass ihr erkunden oder für euch entdecken wollt?

Bernie: Wir wollen Spaß haben. Das zählt für uns und das ist alles, was wir tun, denn unser Ziel ist es, den Leuten Spaß zu bereiten. Wir haben keine politische oder sozialkritische Message. Wenn wir auf der Bühne stehen, dann ist unser Zeil, die Leute so zu unterhalten, dass sie das nicht mehr vergessen.

Godslave stehen für feinsten Thrash Metal. Copyright Foto: Band

GnR: Ihr habt in den letzten 10 Jahren 5 Alben und 6 EPs rausgebracht, demnächst erscheint euer neues Album „10/10“.

Manni: Neu ist relativ, es wird eine Compilation aus Songs, die vorher exklusiv auf limitierten Split-Eps erschienen sind, aber schon lange vergriffen sind. Daher machen wir was besonderes zum 10 Jährigen Jubiläum. Da sind sämtliche Songs von den Splits drauf plus Live-Songs von 2018 und ein exklusiver neuer Songs. Das summiert sich dann auf 10 Songs – Man könnte meinen, da hätte sich jemand was dabei gedacht 🙂

GnR: Ist das Alben rausbringen für euch mittlerweile Routine oder freut ihr euch noch genauso wie beim ersten Mal?

Bernie: Es ist anders als am Beginn, das ist klar. Als Thommy und ich damals unsere erste CD in der Hand gehalten haben, war das schon ein ganz besonderer Moment. Aber den hat man halt nur einmal. Genauso wie ich sage, ich hab David Hasselhoff einmal gesehen, das war der beste Tag meines Lebens, aber das hat sich dann damit auch, das ist jetzt abgehakt. Und die erste CD produzieren ist genauso abgehakt. Das kommt nicht nochmal. Nichts desto trotz ist es unglaublich viel Arbeit, weil wir ja besser werden wollen, und deshalb ist es auch immer cool, aber dieser besondere Moment, den gibt’s nicht mehr.

Mika: Wobei der Weg zur CD keine Alltagsroutine ist! Das ist jedes mal spannend, was an Ideen von den Songwritern kommt und was sich dann daraus entwickelt. Wir machen immer von Album zu Album einen Sprung, mal mehr mal weniger. Der Weg dorthin ist dann teilweise ganz viel Arbeit, aber vieles davon motiviert dann auch total, wenn man zum Beispiel einen Song fertig hat und gutes Feedback dazu bekommt.

Manni: Es läuft ja immer auch viel parallel – mal mehr Organisation, mal mehr kreatives Songwriting oder mehr Konzerte, dadurch ist man immer im Fluss und es steht nie still.

GnR: Gibts denn schon was, was ihr zum nächsten Album verraten könnt?

Bernie: Da gibt’s noch nicht viel zu verraten. Wir sammeln konstant Ideen, haben uns aber bewusst keinen Rahmen gesetzt. Wir sammeln Songideen und schauen dann, was wir damit machen. Wir gehen jetzt digital größere Wege und passen uns den Entwicklungen an, wir wollen zum Beispiel abseits von der CD auch Singles rausbringen, die digital only sind und später nicht auf dem Album auftauchen. Diese Möglichkeit haben wir heutzutage, warum dann nicht nutzen.

GnR: Abgesehen vom Album: Gibt es irgendwas, auf das ihr euch in den nächsten Monaten beziehungsweise in diesem Jahr freut?

Manni: Natürlich freuen wir uns schon tierisch auf unsere Release Show auf dem Feuerfänger Festival am 15. Juni in Neunkirchen! Und dann startet unsere „1 Finger 10 Years“ Tour, wir spielen im Sommer auf so einigen geilen Festivals. Zur Album haben wir sonst immer eine Clubtour gemacht, dieses Jahr spielen wir aber fast nur Festivals, das ist dann nochmal ein ganz anderes Konzerterlebnis. Es hat aber beides was, ein Clubkonzert ist viel intimer, weil man näher am Publikum dran ist, ein Festival ist natürlich viel größer und es sind viel mehr Leute, und vor allem auch viele, die einen sonst nicht gehört hätten und die uns dann geil finden.

GnR: Wie vertreibt ihr Euch die Zeit, wenn ihr auf Tour seid und gerade nicht auf der Bühne steht?

Bernie: Das ist relativ unspektakulär, wir sitzen viel im Auto und sind ständig am Auf- oder Abbauen. Was uns aber immer wichtig ist, ist die Stadt und die Gegend, in der wir auftreten, richtig wahrzunehmen. Das ist nicht immer möglich, klappt aber ganz gut, wenn wir zwei Konzerte an einem Wochenende spielen. Meistens verbinden wir die Stadttour mit einer Runde Geocaching, das ist ein guter Grund, sich ein bisschen zu bewegen und die Stadt anzuschauen.

GnR: Habt ihr ein Ritual in den Proben oder vor einem Auftritt?

Mika: So ein großes Ritual wie sich in den Armen zu liegen und einen Kampfschrei zu lassen haben wir nicht. Eher hat jeder für sich sein eigenes individuelles Ritual, Thommy singt sich warm, Bernie springt sich ein bisschen fit, Mannie spielt sich auch warm, jeder hat da eher sein eigenes Ding. Dann kommt die Ghetto-Faust und dann geht’s los.

Thommy: Dann wird’s ernst, dann ist keine Zeit mehr für Pipi (lacht)

GnR: Habt ihr noch eine Geschichte, ein spezielles Ereignis oder Erlebnis während der Arbeiten und Aufnahmen zum neuen Album? Ist irgendwas Lustiges oder Verrücktes passiert? Habt ihr einen besonderen oder liebsten Tag, an den ihr euch gerne zurück erinnert?

Thommy: Also da gibt es echt unglaublich viele. Die perfekte Mischung aus schöner Tag gehabt, Spaß, Vollidioten und ein paar super fiesen Metallern ist aber die Geschichte vom Baum: Da waren wir in der Gegend von Göttingen und haben eine Runde Geocatching gemacht und da war ein schöner großer Baum, in dem oben der Catch versteckt war. Das Problem war, dass da jemand rauf klettern musste. Mannie ist dafür nicht gebaut, Mika eher auch nicht, Thommy und Bernie haben tierische Höhenangst, da blieb dann nur Tobi, unser Schlagzeuger. Er klettert also hoch, man sieht, er hat ziemlich Respekt. Er zeigt auf ein Loch im Baum, sagt: „Ich vermute, da ist er drin“ – und klettert wieder runter. Dann ist also Bernie hoch, mit ziehen und schieben hängt er irgendwann über dem Ast wie ein nasser Sack. Dazu muss man wissen, dass der Baum auf einer öffentlichen Grünfläche stand und wir von allen Leuten gesehen wurden. Und Bernie hängt im Baum wie eine verstörte Katze, drunter vier Typen, die sich weglachen statt ihm zu helfen, wunderbar. Am Ende hatten wir aber den Catch (Bernie hat sich auf den Ast gestellt!) und waren alle total stolz auf die tolle Teamleistung, dagegen sind Teambuildingmaßnahmen nichts! Wobei jeder Zwölfjährige das wohl in der halben Zeit und mit wesentlich mehr Eleganz hinbekommen hätte, während wir fast einen Kran kommen lassen haben.

Bernie: Daran sieht man auch wieder: wir hatten ein Ziel und wir haben alles dafür gegeben: immer zehn von zehn geben!

GnR: Ihr seid schon über 10 Jahre eine Band – was könnt ihr anderen mit auf den Weg geben, um so lange zusammen zu bleiben?

Bernie: Das kann ich dir ganz genau sagen: Das Geheimnis ist, ein gemeinsames Ziel zu haben und wenn das Ziel kein gemeinsames mehr ist, dass man dann den Mut hat, zu sagen: okay, dann gehen wir jetzt nicht mehr zusammen weiter. Von Anfang an haben wir gesagt, hier bei Godslave machen wir es richtig. Hier werden Ziele festgelegt und gemeinsam geeinigt und gemeinsam verfolgt, jeder wie er kann. Und genauso machen wir das, wir setzten uns regelmäßig zusammen und überlegen, was unsere Ziele sind. Und wenn sich dann zeigt, dass einer Rockstar werden will und dem anderen alles zu viel ist, dann muss man überlegen, ob man nochmal zusammen findet. Das ist auch was, was KISS immer sagt: Die Band ist größer als die Summe der Mitglieder. Das ist bei uns auch so. Wir treffen uns nicht als Freunde für ein Hobby, sondern um eine Band aufzubauen, die bleibt. Unser Ziel ist es, wenn Godslave irgendwann nicht mehr existiert, dann soll Godslave immer noch da sein. Godslave soll unsterblich sein. Und das funktioniert nur, wenn man die Band über die Bandmitglieder stellt. Natürlich gehört auch Sympathie zwischen den Bandmitgliedern dazu, sonst würde man es ja auch gar nicht drei Tage lang im Bus miteinander aushalten. Wenn das Team nicht passt, dann ist alles zum scheitern verurteilt. Aber es gehört auch dazu, ehrlich zu sein und Dinge anzusprechen, die nicht funktionieren. Aber das wichtigste ist, dass alle fünf das Ziel verfolgen und den Gedanken, was Godslave bedeutet, umzusetzen.

Unsere Mitarbeiterin Lina zu Gast im Proberaum von Godslave. Copyright Foto: Band

Vielen Dank an Godslave für dieses Interview, welches Ihr auszugsweise ab Sommer auch in unserem GEMS & Roll Printmagazin finden könnt!

Das neue Album von Godslave „10/10“ erscheint am 14.06.2019 und ist bei Spotify und im Godslave Online-Shop erhältlich.