24.02.2015

Ein Todesfall bringt meist nicht nur Trauer, sondern auch Arbeit mit sich.
Die Erben müssen sich um den Nachlass und dessen Aufteilung kümmern. Meist besteht der Nachlass aus materiellen Sachen. Allerdings ist in Zeiten des Internets und Social Media wie Facebook und Co. auch an den digitalen Nachlass zu denken.
Wir registrieren uns im Laufe unseres Lebens auf verschiedenen Plattformen, betreiben Onlinebanking oder nutzen das Internet, um Geschäfte abzuwickeln.
Bei all diesen Handlungen hinterlassen wir persönliche Daten, die dann ebenfalls auf die Erben übergehen, oder nicht?

Einfach ist es beim Erben von Hardware.
Genauso wie eine Zimmerpflanze, gehen auch der Laptop, PC usw. auf den Erben über. Er wird dann neuer Eigentümer der Sache. Wenn der Erbe auch die Zugangsdaten kennt, ist er in der Regel auch automatisch Eigentümer an den auf dem Laptop befindlichen Daten.

Komplizierter wird es, wenn es sich um Daten handelt, die im Internet hinterlegt sind. Hat der Verstorbene Verträge mit Onlinediensten geschlossen, gehen diese ebenfalls auf den Erben über und müssen ggfs. von diesem gekündigt werden. Dasselbe gilt für angelegte Accounts auf sozialen Netzwerken. Diese müssen aktiv gelöscht werden. Desweiteren gehören Webseiten, E-Mail- und Social-Media-Accounts, PayPal-Guthaben, Cloud-Daten, auf analogen Medien gespeicherte Daten, virtuelle Adressbücher usw. ebenfalls dazu.
Dabei stellt sich die Frage, wie damit aus juristischer Sicht zu verfahren ist.

Bei der Vorlage eines Erbscheins oder einer Sterbeurkunde dürfte einer einfachen Kündigung nichts im Wege stehen. Wissen die Erben nicht, welche Leistungen der Verstorbene im Internet in Anspruch genommen hat, können sie dies u.a. beim Nachlassdienst für digitale Inhalte erfahren.

Problematisch wird es dann, wenn die Erben Herausgabe der Daten verlangen, die der Verstorbene bei einem Onlinedienst hinterlassen hat. Denn in der Regel ist es so, dass die Betreiber die Herausgabe verweigern. Der Betreiber will dadurch das Persönlichkeitsrecht des Verstorbenen schützen. Rechtlich befinden wir uns hier noch in einer Grauzone, da diese Fälle noch nicht abschließend geklärt wurden.

Fakt ist:
Da noch nicht abschließend geklärt ist, welche rechtlichen Ansprüche den Erben im digitalen Todesfall zustehen, ist es nicht verkehrt, bereits frühzeitig Vorkehrungen zu treffen.
Zum Beispiel könnte der Internetnutzer ein Testament aufsetzen, indem er regelt, wie mit seinen Daten zu verfahren ist, wer den Zugang dazu bekommt und vor wem die Daten geheim zu halten sind. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Auflistung der Internetkonten mit ihrem jeweiligen Passwort und dem Vermerk, wer den Wunsch des Verstorbenen ausführen soll.

Monika Wystup